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Call for papers

Interaktion(en): Brüche, Spuren, Konstruktionen

Die Romanische Philologie zeichnet sich durch eine strukturgebende Vielfalt an Interaktionen auf unterschiedlichsten Ebenen aus; nicht nur zwischen den verschiedenen Disziplinen (Sprach-, Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaft und Fachdidaktik), sondern insbesondere auch zwischen den unterschiedlichen Sprachen und Kulturen der Romania. Darüber hinaus sind Austauschbeziehungen mit anderen Fächern und Fachkulturen prägend für die romanistische Forschungstradition. Neben den vielfältigen romanischen Sprach- und Kulturräumen sind gerade auch die zugehörigen Interaktionen selbst Gegenstand romanistischer Studien. Vor diesem Hintergrund möchte das diesjährige Forum Junge Romanistik mit der Themensetzung „Interaktion(en): Brüche, Spuren, Konstruktionen“ das Begriffsfeld der Interaktion(en) fokussieren und seiner Komplexität aus unterschiedlichen Perspektiven Rechnung tragen. Dabei verstehen wir unter Interaktion(en) nicht nur Wechselbeziehungen zweier oder mehrerer Handlungs- und Kommunikationspartner, sondern, in einem weiteren Sinne, reziproke Beziehungen und Wirkungen zwischen zwei oder mehreren Sprachen oder Sprachvarietäten, zwischen Medien (Texte, Filme, Kunstwerke etc.), Institutionen, Disziplinen, zwischen Kulturen oder auch verschiedenen Teilbereichen innerhalb von Kulturen und Gesellschaften. Die Untersuchung von Brüchen im Zusammenhang mit Interaktion(en) ist dabei nicht allein auf die binäre Unterscheidung zwischen scheiternden und gelingenden Interaktionen ausgerichtet; vielmehr soll sie dazu beitragen, die dem Bruch entspringende Produktivität und Kreativität hervorzuheben, den Bruch als konstitutives Moment sprachlicher und künstlerisch-kultureller Interaktion zu verstehen. Sich mit Blick auf Interaktion(en) auf Spurensuche zu begeben, bedeutet überdies, Interaktionen aus diachroner bzw. historischer Perspektive in den Blick zu nehmen und so beispielsweise den originären Entstehungskontext gegenwärtiger Phänomene sichtbar zu machen. In enger Verbindung zu Brüchen und Spuren, ermöglicht ein Verständnis von Interaktion(en) als Konstruktion(en), sowohl Prozesse und Ergebnisse von Interaktionen zu beleuchten als auch den Anteil der jeweiligen Interaktionspartner an diesen Konstruktionen zu vermessen.

1.    Literatur- und Medienwissenschaft

Aus literatur- und medienwissenschaftlicher Perspektive wollen wir uns mit symbolisch-kulturellen Formen der Interaktion auseinandersetzen. Literatur, Film und andere Formen symbolischer Repräsentation sind einerseits per se Teil von Interaktionen, denn sie evozieren, kommentieren und revidieren soziale, ökonomische, politische und ästhetische Diskurse und Kommunikationen. Andererseits werden Interaktionen selbst zum Gegenstand der Literatur, indem sie motivisch und thematisch in den Werken verhandelt werden. Folgende Bereiche erscheinen in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse:

  • Formen der Inter-/Transmedialität sowie der Inter-/Transtextualität: Dialoge zwischen Autoren und Werken unterschiedlicher Epochen; Austausch der Künste untereinander (Literatur, Musik, Film, Malerei, Architektur, Design etc.); Zusammenspiel von sprachlichen und nicht-sprachlichen Elementen; kreatives und performatives Potential medialer Entgrenzungen: Relationen von Wort und Bild; Schriftlichkeit und Mündlichkeit, mediale Raumkonzepte.
  • Fragen zu Konzepten wie Translation und Transplantation. Thematisiert werden soll das Aushebeln vermeintlicher Linearitäten zugunsten von „assoziativen Strukturen“ und komplexen Verbindungen in ihrem jeweiligen Verlauf.
    Produktionsszenarien der Interaktion: kooperative, kollektive und interaktive Praktiken des Schreibens und andere kreative Schaffensprozesse wie bsp. Hypertext und multiple Autorschaft.
  • Interaktion von Literatur und Geschichte: Werke, die Geschichte schreiben; Literarische Gattungs-, Periodisierungs- und Epochenfragen als Geschichtsschreibung; Geschichte als Stoff in der Literatur; generationsübergreifende Interaktionsprozesse; Brüche, Spuren und Erinnerungslücken als Elemente der Inszenierung von Erinnerung in der Literatur.
  • Erzähltheoretische Fragen: Beziehungen zwischen Autor, Text und Kontext als permanente Interaktionen, darunter u.a. Rezeptionsvorgänge.
  • Literatursoziologische Fragen und solche der Literaturkritik: Vor dem Hintergrund der Rehabilitierung der Autorfigur und der gesteigerten Mediatisierung von Literatur und Kunst. Es stellt sich die Frage nach der von divergenten Akteuren getragenen, interaktiven Konstruktion und mise en scène von Schriftstellerimages und Vermarktungsstrategien in und außerhalb von Texten. Daran anschließend Fragen zu Diskurshierarchien, Ideologiediskursen, Konsekrations- und Kategorisierungsprozessen: sozial konstruierte Identitätskategorien; Fragen der Imagologie oder jene zu naturalisierten und verräumlichten Zuschreibungen wie Geschlecht, Nationalität, Ethnie usw.

2. Sprachwissenschaftliche Sektion

Ziel der sprachwissenschaftlichen Sektion ist es, „klassische“ wie auch innovative Ansätze zum Begriffsfeld der Interaktion(en) in Diachronie und Synchronie zusammenzuführen und zur Diskussion zu stellen. Impulse können dabei aus folgenden Bereichen stammen:

  • Analyse gesprochener Interaktion, Gesprächs- und Konversationsanalyse: verfestigte Muster und Strukturen gesprochener Interaktion in verschiedenen Gesprächssituationen (z.B. Alltagsgespräche, institutionelle Kommunikation)  Anwendung gesprächs- und konversationsanalytischer Methoden auf medial schriftliche Interaktion, z.B. im Bereich der computervermittelten Kommunikation (Chat, Instant Messaging, etc. Interaktionale Linguistik: Verbindungen zwischen Konzepten der Linguistik und der Interaktionstheorie (v.a. Konversationsanalyse, Ethnomethodologie, funktionale Linguistik)
  • (Historische) Soziolinguistik, Sprachkontakt- und -konfliktforschung: Auswirkungen von (historischen und aktuellen) Interaktionen auf die beteiligten Sprachen, sowohl im Hinblick auf die Sprachsysteme (z.B. crosslinguistic interactions) als auch auf ihre soziolinguistische Situation (z.B. Vitalität und Ausbaugrad)
  •  Mehrsprachigkeitsforschung: Vernetzung und Zusammenspiel der Sprachen im mehrsprachigen System und mehrsprachige Entwicklung (im Sinne einer holistischen Multikompetenz)
  • Zweit- und Drittspracherwerbsforschung: multiple Spracherwerbsprozesse aus einer interaktionistischen Perspektive (z.B. Konstruktion und Überprüfung von Sprachlernhypothesen im interaktionalen Austausch)
  • Grammatikalisierung, Pragmatikalisierung: Zusammenspiel und Einflüsse sprachlicher und außersprachlicher Faktoren in Sprachwandelprozessen
  • Sprachmanagement und Sprach(en)politik: funktionelle Verteilung von Sprachen in Bezug auf sprachbezogene Ideologien oder sprachpolitischen Ziele (z.B. Domänenanalyse und linguistic landscapes)

3.    Fachdidaktische Sektion

Der Begriff des Lehrens steht — sieht man sich den Ursprung des Wortes ‚Didaktik‘ an (gr. Didáktike téchne, also die Kunst des Lehrens) — im Mittelpunkt der fachdidaktischen Forschung. Lehren impliziert dabei mindestens dreierlei: eine lehrende Instanz, ein lehrreiches Thema und ein Gegenüber, das etwas lernen will oder soll. Diese drei Aspekte stehen nicht voneinander unabhängig im Raum, sondern sie interagieren miteinander. Die fachdidaktische Sektion will sich den daraus ergebenden Interaktionen widmen:

  • Lernersprachenanalyse: Analyse lernersprachlicher Interaktion(en) (z.B. Interferenzen, Pausen, metasprachliche Nachfragen) und Diskussion der Potentiale von Fehlern für den Fremdsprachenunterricht (FSU)
  • Interaktion(en) zwischen Mensch und Maschine: Möglichkeiten und Grenzen der Integration von Sprachlern-Apps, von WhatsApp, Skype und Youtube-Channels in den FSU
  • Mehrsprachige Interaktion(en): Potentiale der Einbeziehung von unterschiedlichen Herkunfts- und Familiensprachen
  • Lehrwerkanalyse: Interaktion zwischen Lernenden und Lehrbuch (z.B. Rezeption von Lehrwerken durch ihre Nutzer/innen; historische Entwicklung

4. Allgemeines

Das Forum Junge Romanistik findet vom 26. – 28. März 2018 in Mannheim statt. Romanistinnen und Romanisten sind eingeladen, ihre Themenvorschläge (ca. 300 Wörter) bis zum 30. November 2017 unter folgender Adresse einzureichen: fjr2018@phil.uni-mannheim.de. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und romanische Sprachen.